Businessplan-Check

6 Businessplan-Mythen im Check

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„Der Businessplan ist Zeitverschwendung!“
Im Businessplan setzen sich Gründer mit allen wichtigen Elementen ihres Geschäftsmodells auseinander: mit dem Markt, mit Marketing, Akquise und Finanzierung. Wer einen Businessplan verfasst, ist gezwungen, systematisch zu denken und Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Gründer müssen erste Entscheidungen treffen, Fehler aufdecken, fundierte Prognosen treffen. Zeitverschwendung ist diese Arbeit nur, wenn man dabei das Rad „Businessplan“ neu zu erfinden gedenkt.

„Ein Pitchdeck ist wichtiger als ein Businessplan“
Das kommt auf den Geldgeber an: Viele wollen erstmal ein Pitchdeck, ja. Bei den zwei bis zehn Prozent der Gründungsvorhaben, die näher gesichtet werden, ist aber auch ein Businessplan fällig. Die im Pitchdeck präsentierten Zahlen sollten dann natürlich zu denen im Businessplan passen. Selbst beim TV-Format „Die Höhle der Löwen“ berichten die Teilnehmer, dass Businesspläne ausführlich diskutiert werden, bevor es zu Deals kommt. Ausgestrahlt wird das nicht. Für Kreditgeber hat ein Pitchdeck überhaupt keine Bedeutung: Sie wollen meist als erstes Dokument den Businessplan sehen. Dann prüfen sie Liquidität, Rentabilität und Kennzahlen, um zu entscheiden, wie intensiv sie sich mit dieser Gründung auseinander setzen. Crowdfunding funktioniert häufig per Pitchdeck und Storytelling, hier ist ein Businessplan wohl nicht nötig. Beim Crowdinvesting dagegen schon. Für Family, friends and fools reicht ein Pitchdeck wahrscheinlich auch aus. Der Businessplan hilft aber gewaltig, um alle entscheidenden Gedanken zu vermitteln und natürlich, um die Ernsthaftigkeit des Vorhabens unter Beweis zu stellen.

„Der Businessplan ist Schönfärberei!“
Schöngefärbt neigt der Businessplan zur Verblendung – des Gründers. Leider gibt es dutzende Gründer, die, um einen Geldgeber zu überzeugen, dabei völlig den Fokus verlieren. Es ist gefährlich, einen Businessplan so lang hin und her zu schieben, bis er sich rechnet und so lang hin und her zu formulieren, bis er überzeugt. Genauso gefährlich ist es aber auch, ohne Businessplan mit eigenem Geld und einer tollen Idee zu starten und zu spät zu merken, dass sie sich nicht rechnet. Deshalb: Nicht schön rechnen, sondern rechnen! Der Businessplan ist das perfekte Tool, um ein Geschäftsmodell auf Machbarkeit zu überprüfen, die Finanzen gründlich durchzurechnen und das gesamte Vorhaben für Dritte verständlich zu machen.

„Ein Businessplan ergibt für Startups keinen Sinn!“

Startups sind per Definition noch auf der Suche nach dem optimalen Geschäftsmodell. Eine der größten Herausforderungen ist es, dass sich die Dinge am Anfang mit jedem Testlauf, jedem Pivot und jeder Kundenbefragung wieder ändern. Statt sich immer wieder an die Neubearbeitung zu setzen, scheuen viele Gründer daher den Businessplan komplett. Am besten ist es in der Anfangsphase, das Geschäftsmodell mit einem schnell variierbaren Tool wie der Canvas zu entwickeln, Alternativen zu erarbeiten und kritisch zu diskutieren. Erst danach, wenn ein funktionierendes Geschäftsmodell steht, kommt der Knackpunkt, an dem kein Weg vorbei führt: Das Konzept muss durchgerechnet und dem Geldgeber vorgelegt werden.

„Der Businessplan ist schon veraltet, wenn er aus dem Drucker kommt!“
Wenn man ihn danach in der Schublade verstauben lässt, stimmt das. Aber der Businessplan sollte als lebendiges Dokument verstanden werden, das immer wieder aktualisiert werden darf. Denn nur dann kann er die Planungs- und Steuerungsfunktion übernehmen, die ihn so wertvoll machtt. Natürlich werden nicht alle Annahmen, die man bei der Finanzplanung für die Zukunft trifft, eins zu eins aufgehen. Oder wenn sich das Geschäftsmodell im Nachhinein doch nochmal ändert, dann muss man wohl oder übel nochmal ran. Also: Besser gar nicht erst ausdrucken, sondern Geldgebern, Teammitgliedern und Beratern einen Link zu einem dynamischen Dokument schicken und den Plan immer auf dem Laufenden halten.

„Der Businessplan wird doch eh vom Berater geschrieben!“
Wer das Businessplan-Schreiben an seinen Berater oder einfach an das versierteste Teammitglied delegiert, hat tatsächlich ein Problem. Denn wer den Businessplan von einem Externen schreiben lässt, wird das eigene Vorhaben nie gut genug kennen, um es einem Dritten glaubwürdig und in allen Einzelheiten vermitteln zu können. Sätze wie: „Das hat mein Berater geschrieben – keine Ahnung, wie der darauf kommt“ fallen viel zu häufig. Zudem: Wenn sich nur ein Teammitglied alleine mit dem Businessplan beschäftigt, ist die Gefahr groß, dass er an der Sache, der Realität, den Interessen oder Ideen aller Beteiligten vorbei geschrieben wird.

 

Autor: Dr. Jan Evers
Quelle: http://www.gruenderszene.de/galerie/6-businessplan-mythen?pid=11008