AGILE ARBEIT 2019

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Arbeitsrecht, Digitalisierung, Human Resources Management, KI, Künstliche Intelligenz, Leadership, Wissenschaft

Was ist wichtiger?

Auf Veränderungen zu reagieren oder Pläne zu befolgen?

Das Manifest für Agile Softwareentwicklung, das die heute verbreiteten agilen Wertvorstellungen maßgeblich geprägt hat, gibt darauf eine klare Antwort. Die Betonung liegt auf Ersterem. Zuerst sollte man auf Veränderungen reagieren, erst danach schwenkt der Fokus auf das Befolgen eines Plans.
Das klingt einleuchtend und fast trivial, denn wenn sich die Umstände geändert haben, läuft selbst der beste, ursprünglich gefasste Plan ins Leere. Dennoch wird es für Unternehmen zu einer immer größer werdenden Herausforderung, dieses einfache Prinzip konsequent umzusetzen, denn die wirtschaftlichen Umstände ändern sich schneller und häufiger als je zuvor.
Willkommen in der „VUCA-Welt“, der „GAFA-Ökonomie“ und in einer Zeit fortschreitender Digitalisierung, in der die Disruption althergebrachter Geschäftsmodelle ganze Branchen in atemberaubender Geschwindigkeit eiskalt erwischen kann.

Wie können Unternehmen mit dem anhaltenden Wandel als Dauerzustand umgehen? Welche Handlungswege bleiben offen, wenn das Aufstellen und konsequente Befolgen detaillierter, langfristig ausgelegter Pläne keine Option mehr ist? Agile Methoden bieten Antworten auf diese Fragen. Sie bestehen aus einem Ensemble von Methoden, die ein strukturiertes Vorgehen in ungewissen Umständen ermöglichen. Dazu gehören Feedbackschleifen, die Segmentierung großer Probleme in viele kleinere Probleme, und resolute Perspektivwechsel – der Kundennutzen rückt in den Mittelpunkt allen Handelns. Dazu gehören aber auch drastische Veränderungen in der Arbeitsorganisation und der Unternehmenskultur. An die Stelle einer Präsenzkultur tritt eine Ergebniskultur. Scheitern ist erlaubt – solange es möglichst schnell passiert und das Team aus den Fehlern lernen kann. Die neuen Formen des agilen Arbeitens und der „Arbeit 4.0“ gehen unter anderem einher mit einer größeren Flexibilität in Hinblick auf Arbeitsorte und -zeiten.

Auf welche Weise Rechtsabteilungen von Unternehmen diesen Trend einschätzen, zeigt die vorliegende Studie. Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass agile Arbeitsmethoden Zukunft haben werden. Das ist kaum verwunderlich, denn vor allem große mittelständische Unternehmen und Konzerne haben den Handlungsbedarf längst erkannt. Sie haben in den vergangenen Jahren bereits erste Labs und Think Tanks gegründet, in denen mit agilen Methoden operiert wird. Sie zielen darauf ab, mit diesen Schnellbooten, die in alle denkbaren Richtungen vorpreschen, den schwerfälligen Tanker heil durch unbekannte Gewässer zu manövrieren. Darüber hinaus verdichtet sich mittlerweile jedoch das Bild, dass auch der Tanker flexibler und schneller werden muss, um nicht auf Abwege zu geraten. Das agile Arbeiten gewinnt dadurch an Breitenwirkung. Damit gewinnen aber auch die Herausforderungen rund um die rechtliche Ausgestaltung gewachsener Unternehmensstrukturen eine ganz neue Dimension.

Besonders die Teilnehmer der Studie aus großen Unternehmen rechnen damit, dass die agile Arbeit in den nächsten fünf Jahren ein enormes Wachstum erfahren wird. Nur in zwei Fünftel der befragten Unternehmen gibt es allerdings bereits eine Strategie für die Einführung agiler Arbeitsweisen. Dieses Versäumnis kann sich durchaus als Hemmschuh auf dem Weg zur agilen Organisation und damit zur künftigen Wettbewerbsfähigkeit erweisen. Neuen agilen Arbeitsformen werden schließlich eine Reihe positiver Effekte zugeschrieben. Zwei von drei Befragten der Studie gehen davon aus, dass agile Arbeit die betrieblichen Prozesse verbessern wird. Jeder zweite Befragte rechnet mit einer höheren Motivation und Arbeitszufriedenheit. Viele Rechtsfragen im Kontext agiler Arbeit sind laut Einschätzung der Befragten allerdings noch offen und ungeklärt – sei es im Direkti- onsrecht, bei Drittkräftethemen, der Sozialversicherung oder dem Nachweisgesetz. Hier werden die Rechtsabteilungen der Unternehmen mit vielen spannenden Fragen konfron- tiert. Die agile Arbeit könnte sich für diese zu einer der größten Herausforderungen der kommenden Jahre entwickeln. Es geht um nicht weniger, als den richtigen Rahmen für die unternehmerische Ausgestaltung des nächsten Industrialisierungsschubs – der Digita- lisierung und der Industrie 4.0 – sinnvoll zu entwickeln.

 

Die Studie finden Sie unter ISBN 978-3-9475-5304-4

Elisabeth Lepique
Managing Partner, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH