Compliance

Compliance in KMU

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Korruption ist noch immer ein wichtiges Compliancethema nicht nur in Konzernen, sondern auch KMU. Hilfe und Anleitung zur Prävention bietet die folgende Checkliste „Risikoanalyse und Korruptionsprävention“.

„Compliance“ ist ein breit gefächertes Themengebiet und stellt für viele deutsche Unternehmen eine große Herausforderung dar. Im Zuge der EU-DSGVO, die im Mai 2018 in Kraft trat, setzen sich jedoch immer mehr Firmen und auch Mittelständler mit der Materie auseinander. Das ist auch gut so. Jedoch: So wichtig der Datenschutz auch ist, KMU sollten nicht den Fehler begehen andere wichtige Compliancethemen zu vernachlässigen.

So stellen beispielsweise Bestechung und Bestechlichkeit in deutschen Unternehmen keineswegs ein unwesentliches Problem dar. In den vergangenen Jahren häuften sich öffentlich bekanntgemachte Korruptionsskandale. Zu den schwerwiegendsten Affären zählen beispielsweise die Schmiergeldauszahlungen des Münchner Maschinenbaukonzerns MAN. Es flossen Schmiergelder in Höhe von etwa 50 Millionen Euro; über 250 Millionen Euro Schaden trug das Unternehmen letztendlich davon. Verglichen mit dem größten Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte, den 2006 die Firma Siemens verantwortete, scheint dieser Schaden fast harmlos: Ganze 2,9 Milliarden Euro zahlte Siemens an Strafen, Steuernachzahlungen und Anwaltskosten.[1]

Besonders heikel ist, dass Korruption in den wenigsten Fällen aufgedeckt wird. Laut einer Studie von PWC gelangen gerade einmal 20 Prozent aller Korruptionsdelikte an die Öffentlichkeit.[2] Erschreckend ist, dass allein diese 20 Prozent bereits einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Im Jahr 2007 verbuchten deutsche Unternehmen zusammen rund 0,43 Millionen Euro infolge von Korruptionsdelikten.

Zwei Jahre darauf stieg diese Zahl auf 1,56 Millionen Euro an. Hinzu kommen 1,71 Millionen Euro, die in das Managen von Korruption investiert wurden.[3] Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, dass Korruption ein erhebliches Problem für deutsche Unternehmen und die Wirtschaft allgemein darstellt.

Leiter der Betrugsaufklärung und -vorbeugung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Stefan Heißner stellte vergangenes Jahr die Auswertungen einer neuen Untersuchung zum Thema Korruption vor: „Es sind erschreckende Zahlen“[4], kommentierte Heißner. Insgesamt befragte man im Rahmen der Untersuchung 41 Länder in Europa, im Mittleren Osten, Indien und Afrika hinsichtlich der Korruption in Unternehmen. Ganze 43 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen gaben an, dass Bestechung und Korruption im Geschäftsleben weit verbreitet seien. Dieser Wert verdoppelte sich beinahe seit der letzten Befragung zwei Jahre zuvor und liegt sogar deutlich über dem Durchschnittswert für Westeuropa (33 Prozent), der über die vergangenen Jahre kontinuierlich sank.

Deutsche Firmenmitarbeiter sind ebenfalls Spitzenreiter, wenn es um die Frage geht, ob sie selbst zu betrügerischem Handeln bereit wären, um sich berufliche oder finanzielle Vorteile zu sichern. Deutschland liegt hier mit 10 Prozent weit über dem Gesamtdurchschnitt von 6 Prozent. In Dänemark und Norwegen bejahen gerade einmal 1 Prozent diese Frage. Möglicherweise würde man erwarten, dass Länder mit einem hohen Korruptionswahrnehmungsindex (CPI), wie Kenia oder Nigeria diese Frage mindestens ebenso häufig mit „Ja“ beantworten. Die Ergebnisse zeigen jedoch das Gegenteil: Hier sind es gerade einmal 2 Prozent, die mit „Ja“ antworteten. Aus diesen aktuellen Zahlen geht also hervor, dass deutsche Firmenmitarbeiter sowohl im Europa- als auch im internationalen Vergleich weitaus mehr zu korruptem Handeln bereit wären, um daraus persönliche Vorteile zu ziehen.

Was Regulierungsmaßnahmen anbelangt, nehmen die meisten befragten deutschen Unternehmen (55 Prozent) wahr, dass der Regulierungsgrad von Ethikstandards in ihren Branchen wächst, jedoch halten wiederum 53 Prozent diese für eine Wachstumsbremse. An den positiven Einfluss von Regulierungen glauben gerade einmal 19 Prozent.

In der Wahrnehmung der Befragten scheinen sich also Korruption und Wachstum nicht auszuschließen – sogar im Gegenteil: Weit verbreitet ist die Annahme, dass Korruption sogar zum Wachstum der gesamten Volkswirtschaft beiträgt, da sie die Durchführung von Investitionen und Projekten in Gang setzt.

Zahlreiche Untersuchungen beweisen jedoch, dass Korruption die Entwicklung einer Volkswirtschaft hemmt und darüber hinaus die Bekämpfung von Armut behindert. Korruption ist nicht nur ein Problem, das in Folge von Armut zustande kommt. Die Verarmung wohlhabender Länder kann ebenso die Folge von Korruption sein.

Risikoanalyse und Korruptionsprävention – Eine Checkliste

Um Konsequenzen für die Unternehmensreputation zu vermeiden und das eigene Unternehmen vor Korruption und daraus folgenden Strafen zu schützen, muss präventiv gegen Korruption vorgegangen werden. Im Mittelpunkt der Korruptionsprävention steht die Risikoanalyse. Diese ist in vier Phasen zu unterteilen und als dauerhafter Prozess zu betrachten:

Phase 1: Identifikation von Korruptionsrisiken

Erfassen Sie systematisch korruptionsgefährdete Arbeitsbereiche, Positionen und Situationen sowie Risikofaktoren für Korruption innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

Phase 2: Bewertung der Korruptionsrisiken

Bewerten Sie diese Risiken anhand ihres Schadenpotenzials (sowohl finanziell als auch rechtlich und reputativ) und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit.

Phase 3: Steuerung der Korruptionsrisiken

Wählen Sie auf Grundlage der Ergebnisse aus Phase 1 und 2 Korruptionspräventionsmaßnahmen aus, die sich zur Vermeidung bzw. Verminderung der Risiken eignen.

Phase 4: Kontrolle der Korruptionsrisiken

Überprüfen Sie kontinuierlich, ob sich die Korruptionsrisiken verändern und die implementierten Maßnahmen zur Risikobewältigung weiterhin geeignet sind.

 

Quellen:

[1] https://www.produktion.de/nachrichten/unternehmen-maerkte/die-10-groessten-wirtschaftsskandale-in-deutschland-383.html

[2] https://www.pwc.com/gx/en/economic-crime-survey/pdf/global-economic-crime-survey-2009.pdf

[3] Neubauer J. (2018) Korruption als strukturelle Herausforderung des Compliance-Managements. In: Korruptionsanfälligkeit von Unternehmen. Springer Gabler, Wiesbaden

[4] https://www.welt.de/wirtschaft/article163446413/In-deutschen-Firmen-wird-betrogen-und-bestochen-wie-nie.html

[5] https://www.bmz.de/de/themen/korruption/hintergrund/index.html